Nr. 67 Juni - Sept 10

Hat das Auto noch Zukunft?

Mit der „Monokultur“ Auto geht es zu Ende. Verliert der PKW seinen Rang als vorherrschendes Transportmittel, freut sich die Geldbörse, die Sicherheit und vor allem die Umwelt, meint der VCÖ.

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VCÖ

 

Eine Studie des VCÖ belegt einen erfreulichen Trend: Die Österreicherinnen und Österreicher werden in ihrem Verkehrsverhalten immer vielfältiger. Öffentlicher Verkehr, Radfahren, Gehen und Pkw-Fahrten werden zunehmend miteinander verknüpft. Die Nutzung mehrerer Verkehrsmittel (Multimodalität) wird die Zukunft der Mobilität bestimmen; die Bedeutung des Autos geht zurück.

Teurer Sprit – weniger Kilometer

Real bedeutet multimodale Mobilität eine Verringerung des Autoverkehrs. Die Trendwende dazu zeichnet sich bereits ab. „Wenn Alternativen da sind, ist das Auto nicht mehr alleinige Nummer Eins bei der Wahl des Verkehrsmittels“, sagt VCÖ-Experte Martin Blum. Auch die Treibstoffpreise spielen eine Rolle. 2008, als der Spritpreis extrem hoch war, wurde viel weniger mit dem Auto gefahren als zuvor. „Eine Ökologisierung des Steuersystems macht also Sinn“, sagt Blum.

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Mit dem Bus, der Straßenbahn oder dem Zug. Mit dem Taxi, dem Carsharing-Auto oder dem eigenen Pkw. Die Mobilität der Österreicherinnen und Österreicher setzt sich aus vielen Puzzleteilen zusammen.

Die Fakten: 80 Prozent der Menschen in Österreich gehen einen Teil ihrer Wege zu Fuß, jeder Vierte radelt im Alltag. 61 Prozent fahren gelegentlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Jeder Fünfte besitzt eine Jahresnetzkarte. 76 Prozent der Haushalte haben mindestens ein Auto, 58 Prozent der täglichen Wege werden mit dem Auto gefahren. 42 Prozent der Wege werden zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zurückgele

Bedeutung des Autos sinkt

Dass das Auto an Bedeutung verliert, zeigt auch der Pkw-Bestand. In Wien und Graz ist der Motorisierungsgrad heute niedriger als im Jahr 2005. Auch die Fahrleistung der Pkw sinkt, die Anzahl der gefahrenen Kilometer geht zurück. Dafür steigen immer mehr Menschen auf das Rad oder in den Öffentlichen Verkehr um. „Bei den jungen Menschen ist das Auto auch nicht mehr das absolute Statussymbol so wie bei früheren Generationen“, sagt Blum.

Radeln immer beliebter

Radfahren erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In den vergangenen Jahren ist der Radverkehr in Österreich stark gestiegen. Im Jahr 2009 radelte jeder Mensch in Österreich im Schnitt etwa 225 Kilometer, im Jahr 2005 waren es noch 160 Kilometer. „Das Fahrrad wird immer stärker genutzt und ist für viele vor allem deshalb attraktiv, weil es sich gut mit der Nutzung von Öffentlichem Verkehr kombinieren lässt. Auch den Weg zum Bäcker uns Eck nehmen viele zu Fuß oder mit dem Rad“, sagt VCÖ-Experte Blum.

Multimodalere Mobilität führt zu weniger Autoverkehr. „Da an den meisten Verkehrsunfällen Pkw beteiligt sind, steigt mit multimodaler Mobilität und der Verlagerung des Autoverkehrs auf Öffentlichen Verkehr, Fahrrad und Gehen die Verkehrssicherheit“, macht VCÖ-Experte Blum aufmerksam.

Klima profitiert

Multimodale Mobilität bringt Österreich seinen Klimaschutzzielen näher. Im Jahr 2007 verursachte der Straßenverkehr in Österreich 23,5 Millionen Tonnen CO2. „Sinkt etwa die Pkw-Fahrleistung pro Person und Tag in Österreich um vier Kilometer, reduziert das den CO2-Ausstoß pro Jahr um 1,5 Millionen Tonnen“, betont Blum.

Geld sparen

Der Großteil der Ausgaben, die für Mobilität gemacht werden, wird in Ankauf und Erhalt eines eigenen Pkw investiert. Durchschnittlich werden pro Haushalt im Jahr 4.900 Euro für Mobilität ausgegeben, 4.680 Euro davon fließen in Kauf und Betrieb von privaten Kraftfahrzeugen. „Durch einen optimalen Mix aus Öffentlichem Verkehr, Fahrrad, Gehen, der Nutzung von Taxi und Carsharing können Haushalte ihre Verkehrsausgaben deutlich reduzieren“, sagt Blum. Beim Skifahren war es vor einigen Jahren noch kaum denkbar, dass so viele Menschen Skier ausleihen, anstatt selbst zu besitzen. Ähnlich wird die Entwicklung beim Auto sein. Die Nutzung wird wichtiger, der Besitz wird abnehmen.

„Multimodale Mobilität ist gefragt, ihr Potenzial groß – für jeden einzelnen Menschen, das Verkehrssystem und die Umwelt“, fasst Blum die Studie „Multimodale Mobilität als Chance“ zusammen.

 

 

ZUKUNFTSTHESE ZU MOBILITÄT

Eine der Grünen Zukunftsthesen lautet: Das Bild, dass jeder „sein“ Auto hat, ist nicht zukunftsfähig. Es geht um neue Perspektiven, sonst kollabiert unser Transportsystem. Das Auto der Zukunft darf daher nicht so wie das Auto der Vergangenheit gedacht werden. Ein Fahrzeug ist etwas, das in erster Linie einer konkreten Nutzung dient. Dass das Auto als alleiniges Transportmittel am absteigenden Ast ist, belegt eine Studie des VCÖ (siehe Hauptartikel).

 

 

von THOMAS HARTL