Nr. 67 Juni - Sept 10

Wenn der Keiler nicht mehr klingelt

Immer wieder tappen KonsumentInnen in Fallen, die ihnen von unfairen Firmen gestellt werden. Die Grünen fordern mehr gesetzliche Handhabe gegen Irreführungen und falsche Versprechen und wünschen sich mehr KonsumentInnenschutz.

photocase.com

 

Freundlich war er, zur „gnädigen Frau“, ein bissl schnell hat er gesprochen, und vor allem viel. Noch jetzt, den Hörer in der Hand, weiß die „gnädige Frau“, eigentlich nicht so recht, was der Herr in der Leitung wollte. Telefonfirma hat sie verstanden, dass es jetzt billiger wird, und ein Dankeschön fürs Vertrauen. Wenig später wird die Telefonfirma die Dame an den eingegangenen Vertrag erinnern, an die höhere Rechnung – wie gesagt - Danke fürs Vertrauen.

Die KonsumentInnen umweht zunehmend eine Marketingbrise, die vornehm ausgedrückt, immer schnittiger wird. Der Markt will verkaufen, ist dichtest gedrängt wie ein Urlauberstrand am Mittelmeer und der Zweck heiligt beileibe nicht mehr alle Mittel. Sei es das aggressive Werben durch Telefonkeiler, das Geschäft an der Haustür, mit Kuriositäten und Klauseln unterfütterte Verträge oder phantasievolle Lebensmittelkennzeichnungen – der Markt greift immer tiefer in die Trick­kiste um seinen Schnitt zu machen. „Diese Trickkiste müssen und werden wir schließen“, ist für die Grüne KonsumentInnenschutzsprecherin und Landtagsabgeordnete Maria Wageneder die Schmerzgrenze längst erreicht. „Mit unserer verstärkten Grünen Offensive für einen verbesserten KonsumentInnenschutz wollen wir den Bund zwingen, hier endlich zu handeln“.

Stopp missbräuchlicher Telefongeschäfte

Auf zwei Schienen bewegt sich diese Offensive: zum einen ist es Grünen-Landesrat Rudi Anschober gelungen, eine Allianz der LandeskonsumentInnenschutzreferenten zu schmieden, um beim Bund einen Stopp missbräuchlicher Telefongeschäfte und eine verbesserte Lebensmittelkennzeichnung durchzusetzen. Noch in diesem Jahr könnte dies Realität werden.

Zum anderen hat der oberöster­reichische Landtag auf Grüne Initiative hin eine Bundesresolution für einen verbesserten KonsumentInnenschutz verabschiedet. So sollen nicht nur Vertragsanbahnungen über den Fernabsatz durch neue Bestimmungen eingedämmt werden, auch eine Freischaltung von Handy-Mehrwertdiensten soll nur noch auf ausdrücklichen Kundenwunsch erfolgen. „Diese Dienste sind bei Vertragsabschluss immer freigeschaltet und können unglaubliche Kosten verursachen, oft haben die KundInnen keine Ahnung, dass sie diese Dienste überhaupt nutzen“, kritisiert Wageneder. Es sind aber nicht nur fernkommunikative Fallen, die an KonsumentInnen-Nerven zerren. Das tut auch das Sensationsangebot an der Haustür. Für derartige Geschäfte fordern die Grünen in der Resolu­tion eine auf 14 Tage verlängerte Rücktrittsfrist womit Überrumpelungen beim Haustürdeal und damit verbundene Langzeitfolgen künftig verhindert werden sollen.

Mit diesen in der Resolution verankerten Forderungen ist es für die Grünen keineswegs getan. Denn es gibt weitere Fallen, in die KonsumentInnen tagtäglich zu stolpern drohen. So treten die Grünen für ein Rücktrittsrecht bei Verträgen mit Schlankheitsinstituten und Modelagenturen ein – weil zumeist selbst nach schnell geschlossenen Verträgen weder die kleine enge noch die große weite Welt rufen und Glamourträume zumeist an der eigenen Fotowand vergilben. Die Schaffung eines KonsumentInnen-Gerichtstandes und eine Insolvenzabsicherung für direkt bei der Fluglinie gebuchte Flüge sind weitere markante Grüne Forderungen, die in den anstehenden Landtagsauschüssen weiter verhandelt werden.

Eigenverantwortlichkeit der KonsumentInnen

Um nicht missverstanden zu werden: die Eigenverantwortlichkeit der KonsumentInnen soll und darf nicht ausradiert werden. Skepsis ist gut, der Mut zum finalen Nein ebenso – ebenso wie Bewerbung und Verkauf natürlich nicht pauschal im Topf der Verwerflichkeit vor sich hin köcheln.  „Das Gesetz muss dort anpacken, wo Verwirrung zur Taktik, Falsches zum Faktum und Versprechen zur Fiktion werden“, wie es Wageneder zusammenfasst. Damit die „gnädige Frau“, künftig beruhigter zum Hörer greifen kann.

 

 

von MAX GUSENBAUER