Wie unsere Heimat Stück für Stück ausverkauft wird und sich die ÖVP als Türöffner für Beton und Millionäre hergibt. Drei aktuelle Beispiele aus Oberösterreich.
Von Benjamin Wimmer
Baustellenzufahrten, flankiert von Baggern und Betonmischern. Große Harvester, die anrücken, um hektarweise Waldflächen zu roden. Sensible Naturlandschaften, die luxuriösen Hotels und Chalets weichen müssen. Das sind keine möglichst dystopischen Fantasie-Szenarien, sondern ein kleiner Einblick in den Ausverkauf unserer oberösterreichischen Heimat. Oberösterreich verschwindet Tag für Tag ein Stück mehr unter grauem Beton, ÖVP-Landesrat Markus Achleitner, zuständig unter anderem für Raumordnung, Tourismus und Wirtschaft, beschönigt die Tatsachen mit Zahlenspielchen zu Flächenversiegelung und Bodenverbrauch. Was bei jedem Projekt gleich ist: Private Profitinteressen rufen, Schwarz-Blau ebnet zuerst den Weg und dann die Natur.
Hinterstoder
Im Mai 2023 wurde mit dem Bau eines Luxus-Camping Resorts begonnen, mitten in der Natur, direkt an einem der ausgewiesen schönsten Plätze Österreichs, dem Schiederweiher. Das Areal umfasst 22.000 Quadratmeter, auf denen Camping-Stellplätze, Hotelsuiten und Campingfässer inklusive Gastrobereich, Minimarkt und Außenpool errichtet wurden. Bester Ausblick auf die malerische Bergszenerie inklusive. Das Einzige, was diesem Tourismusangebot der Extraklasse fehlt, ist die Widmung für den Bau. Gebaut und auch eröffnet wurde das Luxus-Resort trotzdem und das obwohl sogar der Verfassungsgerichtshof eingegriffen hat, um die Fertigstellung zu verhindern. Mithilfe einer nachträglichen Widmung, beschlossen im Gemeinderat, sehen sich ÖVP-Bürgermeister, Campingplatz-Geschäftsführer und zugleich ehemaliger ÖVP-Ersatzgemeinderat sowie auch ÖVP-Landesrat Achleitner, der sich auch die Eröffnung des Betriebes nicht entgehen ließ, im Recht. Die Gerichte beschäftigen sich wohl noch länger mit diesem Fall.
Luxus am Berg
Nur wenige Kilometer entfernt, auf den Hutterer Böden wartet der einst glorifizierte Hotel‑ und Chaletkomplex „Triforêt“ auf Abbruch oder Neuausrichtung. Die Alpin Family GmbH ist insolvent, und mit dem Insolvenzantrag offenbart sich, was schon im Förderentscheid angelegt war: Es handelte sich nie um ein klassisches Tourismusprojekt, sondern um ein reines Buy‑to‑let‑Modell für zahlungskräftige Anlegerinnen und Anleger. Gefördert durch knapp zwei Millionen Euro aus dem ÖVP-geführten Landestourismusressort. Statt einem touristischen Leuchtturmprojekt bleibt ein politischer Scherbenhaufen. Von Anfang an hatte Landesrat Stefan Kaineder vor einer finanziellen Beteiligung durch das Land gewarnt. In der Landesregierung stimmte er als einziger gegen die Förderung, die offenbar dafür verwendet wurde, um das Eigentum für Reiche inmitten unserer Berge zu subventionieren.
Ohlsdorf
Doch nicht nur in Hinterstoder wird Natur für Profite geopfert. In Ohlsdorf mussten 20 Hektar Wald einem Logistikzentrum weichen – profitiert hat davon ein ÖVP-Großspender und Schottermillionär. Die Rodung wurde mit dem Versprechen von 600 Arbeitsplätzen genehmigt. Davon ist man aktuell Galaxien entfernt. Dafür konnte man mit dem Projekt Ohlsdorf mittlerweile zwei andere, wenn auch fragwürdige, Trophäen erringen. Im Zuge der Greenpeace-Initiative „Österreichs 9 Betonschätze“ wurde Ohlsdorf zu Oberösterreichs Betonschatz Nummer 1 gekürt. Der zweite Titel ist sogar ein bundesweiter und so darf das Projekt Ohlsdorf nun als Schlimmste Bausünde Österreichs bezeichnet werden. So haben mehr als 18.000 Menschen bei einem WWF-Voting abgestimmt.
Diese Beispiele sind symptomatisch für den Bodenverbrauch in Oberösterreich, viel mehr aber für die Art, wie die ÖVP Politik betreibt. Ein paar Millionäre verdienen mit der Zerstörung unserer Umwelt und Lebensgrundlagen. Das große Geld klopft an und die ÖVP öffnet die Tore Oberösterreichs sperrangelweit – für Bagger, Betonmischer und die großen Investoren
