Mein ganz persönliches Plädoyer für den Erhalt der Almtalbahn
Von René Freund
Seit 1901 verkehrt die Almtalbahn zwischen Grünau und Wels, und gefühlt so lange bin ich regelmäßiger Gast in diesem romantischen Zug. Nun wollen die ÖBB den Betrieb der Bahn einstellen und durch Busverbindungen ersetzen – und das, obwohl in den vergangenen Jahren über 20 Millionen Euro in die Sanierung der Bahn investiert wurden. Das ist ein bisschen so, als würde ich ein Haus renovieren, um es im Anschluss abzureißen.
Ja, wir wissen alle, der Staat muss sparen, aber doch bitte nicht bei einer Bahnstrecke, die für so viele Menschen eine Lebensader ist. Zugegeben, wenn nicht gerade Schulbeginn oder Schulschluss ist, sind wir bis oder ab Sattledt eine recht überschaubare Gruppe in diesem Zug. Aber muss man deshalb gleich die ganze Strecke stilllegen? Brauchen die Menschen in Grünau die Bahn nicht in Wahrheit viel dringender, weil sie eh schon so weitab vom „Schuss“ wohnen?
Die Wirtschaftlichkeit ist heute das höchste Gut. Das erzählt man uns zumindest den ganzen Tag lang. Aber für mich und viele andere ist eine Fahrt mit „unserem“ Zug auch eine Möglichkeit, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Die Almtalbahn ist nicht einfach nur eine Bahnstrecke. Für alle, die zur Arbeit pendeln oder in die Schule gehen ist die Bahn Klassenzimmer, Schlafzimmer, Wohnzimmer. Die Strecke führt am Almfluss entlang, der türkisfarben schimmert in seinem von Kiesbänken gesäumten Bett. In der Ferne sieht man die erhabenen Spitzen des Toten Gebirges, und am Waldrand Hasen, Rehe und Fasane. Die Haltestellen tragen so schöne Namen wie Traxenbichl, Steinbachbrücke, Wiesmühle und Schauersberg. Manche Bahnhöfe sind einfach gehalten, andere vom Jugendstil angehaucht. Könnte man aus dieser Fahrt nicht eine Touristenattraktion machen, so eine Art Almtaler Orient-Express?
Bis 5. September 2025 wurde übrigens ein Schienenersatzverkehr für die Almtalbahn eingerichtet. Warum? Sie wird saniert. Wozu? Um sie dann zu beerdigen unter dem Motto „Schau, jetzt passt alles, jetzt können wir sie endlich zusperren?“ Immerhin, es gibt einen positiven Aspekt am drohenden Aus für Almtal- und Hausruckbahn: Alle, ja alle Parteien im oberösterreichischen Landtag haben sich zusammengetan, um für deren Erhalt zu kämpfen.
