27. Jänner 2026

Am Großen Welt-Raum-Weg

Eine Gruppe Grüner Aktivist:innen wanderte diesen Sommer mit Stefan Kaineder einmal quer durchs Tote Gebirge von Bad Ischl nach Hinterstoder. Sie erlebten eine einzigartige Verbindung von Naturerlebnis und Hörkunst.

von Julia Reiter, aus der Print-Ausgabe #127

 

Sonntag, 10. August, 12.00 Uhr: Vor der Stadtpfarrkirche Bad Ischl tritt eine 10-köpfige Gruppe zusammen. Einige kennen einander, andere werden einander neu vorgestellt, aber alle verbinden zwei Dinge: den großen Rucksack am Rücken und das Ziel, in fünf Tagen den Großen Welt-Raum-Weg zu gehen.

Die Wetterprognose für diese Woche könnte nicht besser sein und so starten wir motiviert und gut gelaunt mit Kopfhörern im Gepäck in ein besonderes Erlebnis.

 

Die erste Etappe führt von der Rettenbachalm zur Ischler Hütte. Begleitet werden wir dabei immer wieder von einzelnen Audiotracks. Es ist schon erstaunlich, wie meditativ so ein Anstieg mit einem 8 kg Rucksack sein kann, wenn Gerlinde Kaltenbrunner im Ohr darüber sinniert, was ihr beim Wandern so durch den Kopf geht. Faszinierend, wie die eigene Aufmerksamkeit nicht auf die körperlichen Strapazen in diesem Moment gelenkt wird, sondern
auf das bewusste Erleben der Umgebung.

11. August, 03.15 Uhr: Der erste Wecker klingelt. In geübten Handgriffen sind Rucksäcke und Ausrüstung vorbereitet, Wasserflaschen gefüllt und rasch einige Frühstücksbrote vorbereitet, bevor um 04.00 Uhr losgewandert wird. Die Nacht ist lau und erfüllt von vereinzelt klingenden Kuhglocken. Nach etwa zwei Stunden erwartet uns der erste Audiotrack und ein fantastischer Sonnenaufgang. Das Tote Gebirge zeigt sich von seiner besten Seite – fast schon als wüsste es, dass es prominenten Besuch hat.

 

Nach guten 10 Stunden Wanderung und einer Abkühlung im Wildensee kommen wir hungrig, erschöpft, aber zufrieden und erfüllt an unserem nächsten Ziel an.

12. August, 08.00 Uhr: Nach einer erholsamen Nacht starten wir bei traumhaftem Wetter in die nächste Etappe. Unser Ziel: Die Pühringerhütte.

Die Wanderung verläuft recht gemütlich. Gekrönt wird sie von einer Gipfelbesteigung und einem Bad im Elmsee.

 

13. August, 04.15 Uhr: Abmarsch. Aufgrund der erwarteten Hitze haben wir beschlossen, recht früh aufzubrechen, um die heißen Stunden im ausgesetzten Terrain so gut wie möglich zu reduzieren. Belohnt werden unsere Mühen in diesen frühen Morgenstunden mit einem weiteren traumhaften Sonnenaufgang am Berg.

 

Das Highlight dieser Etappe stellt die sogenannte Steinwüste dar. Geprägt ist die Landschaft durch scharfkantige Felsen und ein Meer aus Karstgestein. Pflanzen sind hier nur wenige zu finden. Mit den Kopfhörern und den Audiotracks des Großen Welt-Raum-Wegs werden wir auch hier durch eine einzigartige Naturlandschaft geführt.

 

13. August, 13 Uhr: Aufgrund unseres zeitigen Aufbruchs kommen wir bereits zur Mittagszeit bei unserer letzten Nächtigungsstation an. Dort hält sich jedoch leider ein Gerücht über recht hartnäckige Bettwanzen, weshalb wir beschließen, bereits am Nachmittag noch nach Hinterstoder abzusteigen und die Wanderung damit einen Tag früher als geplant zu beenden.

 

Vier Tage. Ca. 52 km. 3050 Höhenmeter hinauf und hinunter. Eine unvergessliche Erfahrung.

 

 

Kunstinstallation

Der Große Welt-Raum-Weg ist eine Kunstinstallation, die im Rahmen der Kulturhauptstadt Bad Ischl eröffnet wurde. Entlang der Route werden die Wanderer:innen von Audiotracks begleitet, die für die „Räume“, in denen sie sich bewegen sensibilisieren sollen und das Wandern zu einem vielschichtigen Erlebnis machen.

grosser-welt-raum-weg.info

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