27. Jänner 2026

Städte entsiegeln und begrünen!

Andreas Jäger im oö.planet Gespräch über den Sommer 2025 und mit welchen Maßnahmen sich Städte auf außergewöhnliche
Wetterereignisse vor­bereiten müssen.

Wir müssen unsere Städte besser kühlen!

von Marco Vanek, aus der Print-Ausgabe #127

oö.planet: Herr Jäger, wenn Sie auf den Sommer 2025 in Österreich zurückblicken, war es ein außergewöhnlicher?

Andreas Jäger: Wir hatten diesen Sommer großes Glück: Der Sommer war insofern außergewöhnlich, weil praktisch nichts Schwerwiegendes passiert ist. Weder schwere Überschwemmungen noch Murenabgänge oder Dürren. Dabei hätte es ganz anders kommen können –
nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühjahr, war kein Schnee zum Schmelzen und wenig Feuchtigkeit da. Ein Sommer mit weniger Regen wäre eine Katastrophe gewesen. Insofern war die Jammerei über den verregneten Juli aus der Sicht der Land- und Forstwirtschaft absolut unpassend. Übrigens war der Sommer nicht kalt, sondern der zehntwärmste der 258 Jahre langen Messreihe.

 

Welche langfristigen Schäden durch außergewöhnliche Wetterereignisse sind bei uns in den letzten Jahren besonders bemerkbar geworden und wirken sie sich schon auf unseren Alltag aus?

Wenn es regnet, dann ist es öfter Starkregen als früher, mit Muren und Überschwemmungen als Folgen. Mit der Wärme und dem vielen Wasserdampf in der Luft ist aber auch mehr Energie da, was Gewitter entsprechend heftiger macht. Es ist, als hätten wir mit dem Klimawandel am Kochtopf die Herdplatte aufgedreht. Auf der anderen Seite – wenn es nicht regnet – trocknet die Natur durch die Hitze schneller aus, was die Dürregefahr erhöht und Waldbrände verheerender macht. Die potenzielle Gefahrenlage ist gegenüber der vor 40 Jahren markant gestiegen.

Welche besonderen Maßnahmen braucht es Ihrer Meinung nach in der Stadtplanung und Raumordnung, damit die Städte und ländlichen Regionen widerstandsfähiger werden?

Der erste Punkt ist die Versiegelung: Wenn als Antwort auf mehr Platzregen vom Himmel der Boden verdichtet wird, sodass alles in die Kanäle und Bäche fließt, braucht man sich über ständig vollgelaufene Keller nicht zu wundern. Wir müssen also entsiegeln und noch einmal entsiegeln. International – in Deutschland und Holland zum Beispiel – wird das schon sehr gut verstanden und Beton und Asphaltflächen werden aufgebrochen. Da haben wir in Österreich noch sehr viel zu tun, aber der Umschwung in den Köpfen kommt schon. Das zweite ist Kühlung: Angefangen bei Wien begreifen viele schon, dass wir Verdunstungskühlung und Schatten von Bäumen mehr denn je brauchen. Flankierend brauchen wir grüne Fassaden und Dächer.

Es gilt: Alles, was grün ist und blühen kann, kühlt uns und stärkt die Insektenwelt, was ebenfalls dringend notwendig ist.

Welchen Beitrag leisten Schwammstadt-Konzepte?

Wasser muss bei Starkregen versickern können und wird am besten vor Ort gespeichert, um es bei Trockenheit zur Verfügung zu haben. Das ist die Idee einer Stadt wie ein Schwamm, die das Wasser für schlechte Zeiten quasi „aufsaugt“. In Wien wird das gerade sehr konsequent umgesetzt. Jeder neue Baum kriegt 15m3 Wurzelraum, der gleichzeitig Wasserspeicher ist. Das ist teuer, aber wahrscheinlich eine der besten Investitionen in die Zukunft. Auch hier bemerke ich in den Gemeinden ein zunehmendes Umdenken. Da müssen wir alle dranbleiben und das auch einfordern.

 

Zur Person:

Andreas Jäger (geboren 1965) ist ein österreichischer Meteorologe, Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator, der sich vor allem als Klimakommunikator einen Namen gemacht hat und oft als „Klimajäger“ auftritt. Jäger setzt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Klimawandel auseinander, hält Vorträge, schreibt Blogs und Bücher und ist ein gefragter Experte zum Thema Klima und Wetterextreme.

www.andreasjaeger.at

Foto: Mazi

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