26. Jänner 2026

Wie macht man aus einer dicht verbauten Metropole eine Stadt, in der es sich trotz Klimakrise gut leben lässt? Paris versucht die Antwort zu geben: mit autofreien Schulstraßen, neuen Stadtwäldern und einem Öko-Quartier, das zum Labor für die urbane Zukunft geworden ist.

Von Julia Reiter, aus der Print-Ausgabe #128

PARIS. Seit über einem Jahrzehnt arbeitet die Stadt der Liebe vehement daran, auch zur Stadt der Nachhaltigkeit zu werden. Zielstrebig werden versiegelte Plätze neu gestaltet, Straßen rückgebaut und mehr Platz für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen zur Verfügung gestellt. Davon profitieren nicht nur die Pariser:innen, sondern auch das Stadtklima.

Drei ganze Tage hat die Delegation von Landesrat Stefan Kaineder in Paris verbracht, um sich vor Ort von den klimafreundlichen und vor allem bewohner:innenfreundlichen Transformationen ein Bild zu machen.

Transformation öffentlicher Plätze

Der Place de la Concorde, Place de la Bastille und der Place de la République zählen in Paris zu den größten Plätzen und waren bis vor ein paar Jahren noch von Autos umringt. In ihren letzten beiden Amtsperioden hat die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo Verkehrsflächen neu verteilt. Am Place de la Bastille wurden 50 neue Bäume gepflanzt, der stark befahrene Kreisverkehr wurde von einer hufeisenförmigen Fahrspur abgelöst und Radwege und Fußgängerzonen im Ausmaß von fast 7000m2 geschaffen.

Transformation der Straßen

Paris hat ein Einzugsgebiet von 13 Mio. Einwohner:innen. Das sind viele Pendler:innen, die jeden Tag durch die Stadt müssen. Die Metro-Bahnen sind voll, die Straßen verstaut. Paris setzt deshalb auf eine weitere Lösung: Radverkehr. Nutzten 2018 nur etwa 2% der Pariser:innen das Fahrrad, so gab es 2024 bereits mehr Rad- als Autonutzer:innen.  Geschafft hat Paris das mit einer saftigen Investition von 400 Millionen €. Ganze Fahrstreifen wurden zu Radwegen umfunktioniert und die Verkehrskonzepte ganzer Stadtteile transformiert, um Fahrradstraßen zu ermöglichen. Zusätzlich setzt die Stadt auf gezielte Fortbildung seiner Bewohner:innen in Sachen Fahrradfahren.

Transformation von Grätzeln

Eine Vorreiterrolle übernimmt Paris nicht nur in Sachen Verkehrstransformation, sondern auch bei der Finanzierung von niederschwelligen Klimawandelanpassungsmaßnahmen. Noch nie wurde so viel Geld für die Umgestaltung von öffentlichem Raum zur Verfügung gestellt. Jeder Pariser Bezirk wurde mit etwa 30 Millionen € subventioniert, um gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort Begrünungsprojekte und Neuplanungen umzusetzen. Mit Stand 2025 wurden unter Hidalgo bereits 113 000 neue Bäume gepflanzt, 200 Gartenstraßen und mehrere Stadtwälder errichtet.

Transformation von Schulstraßen

Keine andere europäische Großstadt ist so dicht bebaut wie Paris. Innenhöfe und Schulgärten sind deshalb eher eine Seltenheit. Zu den Leuchtturmprojekten der Grünen Transformationen in Paris zählen deshalb auch die sogenannten Schulstraßen. Wo früher Zebrastreifen den Schulweg erkenntlich machten, halten heute Schranken Autos gänzlich fern und wo früher parkende Autos die Straße erhitzt haben, spenden Obstbäume nun Schatten und einen Ort zum Verweilen.

Clichy-Batignolles

Das Öko-Quartier Clichy-Batignolles im Nordwesten von Paris beeindruckt nicht nur durch seine Vielfalt, sondern auch seine Größe. 54 ha wurden von einem brachliegenden Bahnhofsareal in einen 10.000 Einwohner:innen schweren Stadtteil mit 10 ha Parkfläche verwandelt. Damit zählt das Projekt zu den Top-Transformationsprojekten im Großraum Paris. Über 15 Jahre wurde der Eco-Distrikt geplant und umgesetzt. Das Resultat ist auf mehreren Ebenen beeindruckend. Der 10ha große Martin-Luther Park beherbergt 500 verschiedene Pflanzenarten, die der Artenvielfalt im Park dienen. Große Wiesenflächen und mehrere Teiche sorgen vor allem im Sommer für Abkühlung und bieten nicht nur den Anrainer:innen Platz zum Spazieren, Joggen oder Picknicken, sondern auch Spielflächen für die angrenzenden Schulen und Kindergärten. Anders als viele Prestige-Neubauprojekte ist das Öko-Quartier aber nicht nur den Wohlhabenden vorbehalten. 50% der insgesamt 3400 Wohnungen werden als sozialer Wohnraum vermietet, 20% als herkömmliche Mietwohnungen und 30 % wurden als Eigentum zum Verkauf angeboten. Man kann sich vorstellen, die Nachfrage ist groß.

Das Öko-Quartier ist auch deshalb so beeindruckend, weil sich eine Gelegenheit wie diese so selten bietet. Es stellt eine Besonderheit dar in einer millionenschweren Stadt einen ganzen Stadtteil neu erbauen zu können, und dabei sämtliche stadtplanerische Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte in die Umsetzung einfließen lassen zu können.

 

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