30. März 2026

Gewaltschutz ist Gemeinschaftsaufgabe

Von Sandra Prommer, aus der Print-Ausgabe #129

Die Initiatorin dieser Veranstaltung und Grüne Frauensprecherin, Dagmar Engl, betonte in ihrer Begrüßung die Bedeutung von Prävention, Aufklärung und der Arbeit mit jungen Männern. „Echte Gleichstellung beginnt dort, wo keine Frau mehr Mut braucht, um sicher zu sein“, so Engl.

Strategien und Anlaufstellen im Fokus

Mit ihrem Vortrag „Femizide in Österreich“ eröffnete die Universitätsprofessorin Birgitt Haller vom Institut für Konfliktforschung die Tagung. In der anschließenden Gesprächsrunde kamen die wichtigsten Institutionen im Gewaltschutz – von Gewaltschutzzentrum und Frauenzentrum bis zur Polizei und zum Frauenhaus Linz – zu Wort. Der Schwerpunkt lag darauf, Präventions- und Schutzangebote sichtbar zu machen und die Zusammenarbeit zu stärken. Ebenso wichtig sei es, dass die Zivilgesellschaft die richtigen Anlaufstellen kennt und bei Gewaltverdacht früh reagiert.

Männer und Rollenbilder im Wandel

Eine eindrucksvolle Perspektive brachte der deutsche Männerforscher Christoph May ein, der über „Macht und Männlichkeit“ sprach.

Er hält im deutschsprachigen Raum Vorträge und gibt Workshops zu „Toxischer Männlichkeit“ sowie Seminare über Männerbünde, Männerbilder und Feminismus für Männer. Er brachte auf anschauliche Weise dar, wie sehr wir in alten Rollenbildern denken und wie Bewusstseinsbildung gerade bei jungen Männern notwendig ist. Nach wie vor stehen viele Burschen unter dem Druck, „hart“ zu sein, keine Angst zu zeigen und Dominanz zu beweisen. Prävention beginnt dort, wo diese engen Rollenkorsetts aufgebrochen werden.

Junge Männer bewegen sich oft in Gruppen, in denen sexistisches Verhalten oder Abwertungen von Frauen zum „guten Ton“ gehören, um dazuzugehören. Daher braucht es bei der Burschenarbeit männliche Bezugspersonen, die Gleichberechtigung, Gleichstellung und Feminismus vorleben.

„Wenn wir über Gewalt sprechen, reden wir auch über Erziehung. Jungen lernen früh, dass Macht Stärke bedeutet – und Schwäche gefährlich ist. Genau dort beginnt der Kreislauf, den wir durchbrechen müssen.“, Christoph May, Männerforscher

 

Männer als Teil der Lösung

Den Nachmittag prägte die Diskussion „Männer als Teil der Lösung“. Vertreter des österreichischen Dachverbands für Männerarbeit, des Vereins Neustart und der Männerberatung OÖ stellten erfolgreiche Ansätze vor, wie Männer aktiv in die Gewaltprävention eingebunden werden können. Vorgestellt wurde auch White Ribbon, die weltweit größte Bewegung von Männern gegen Gewalt an Frauen – mit dem Ziel, Verantwortung zu übernehmen und öffentlich ein Zeichen für Gleichstellung zu setzen.

Journalistinnen im Gespräch

Den Abschluss bildete eine Journalistinnenrunde mit Vertreterinnen von KurierOÖ NachrichtenTips und OÖ Krone, die über Verantwortung und Sprache in der Berichterstattung rund um Gewaltschutz diskutierten. Moderiert wurde die Runde von Dagmar Engl.

 

Eine ausführliche Nachlese ist abrufbar auf der Website der Grünen Bildungswerkstatt OÖ.

 

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