Ich habe ein ganz spezielles Heimatgefühl. Jedes Mal dann, wenn wir mit dem Auto aus Linz Richtung Norden fahren. Vor allem in Hochsommer, wenn es in der Stadt drückend heiß und stickig ist.
Autor: Stefan Kaineder, aus der Print-Sonderausgabe #130
Dort, wo die Stadt endet, und der tiefe Haselgraben beginnt, wo die Häuser an den Straßenrändern vom Wald abgelöst werden, drehen wir die Klimaanlage ab und öffnen die Fenster. Die Temperatur ändert sich schlagartig, und die Luft riecht anders. Das ist der Moment, in dem ich weiß, ich fahre heim.
Wenn ich im Wirtshaus über meine Heimat rede, wird mir immer wieder bewusst, was mir das Mühlviertel eigentlich bedeutet. Ich spüre eine tiefe Verbundenheit zu den sanften Hügeln, der kraftvollen Natur. Und zu den Menschen, die fleißig sind und zäh. Und etwas zu verschlossen manchmal. Aber die meisten sind irgendwie auch stolz darauf, ein bisschen sture „Granitschädel“ zu sein. Mein Elternhaus liegt auf 700 Metern Seehöhe, mit einem herrlichen Panorama. Du ziehst in der Früh den Vorhang auf und vor dir liegt der Haselgraben, dann Linz, dann das fruchtbare Alpenvorland und dahinter der Alpenhauptkamm. Herrlich.
Mittlerweile lebe ich bereits seit 17 Jahren in Dietach bei Steyr. Eine neue Gegend, mit schlossähnlichen Bauernhöfen, prachtvollen Rapsfeldern, der historischen Eisenstadt Steyr und gleich dahinter dem Nationalpark Kalkalpen. Auch hier komme ich ins Schwärmen. Es hat etwas gedauert, aber auch diese Gegend und seine Menschen sind mir zur Heimat geworden.
Manche Menschen finden freiwillig eine neue Heimat – oft der Liebe wegen, wie ich. Andere werden gezwungen eine neue zu suchen, weil sie aus der alten Heimat vertrieben wurden und flüchten mussten. Und dann gibt es solche, die ihr Leben lang unterwegs sind, um den ganzen Globus, viele Orte sehen und zu ihrer Heimat zählen.
Heimat, so scheint es mir manchmal, ist wohl doch keine Gegend, sondern eher ein Gefühl. Ausgelöst durch einen Geruch, durch einen bestimmten Geschmack, ein simples Foto, durch eine Landschaft oder durch ganz bestimmte Menschen. Und dieses Gefühl gibt uns Sicherheit, Zugehörigkeit und Freude.
Heimat ist wohl doch keine Gegend, sondern eher ein Gefühl.
Ich denke Heimat ist wichtiger, als wir uns das manchmal eingestehen. Und genau deshalb möchte ich verstehen, wie die Leute in unserem Land ihre Heimat sehen, was sie mit ihr verbinden und wie wir sie gemeinsam bewahren und weiterentwickeln können. Ohne Hass und Hetze, dafür mit Wertschätzung und Zusammenhalt. Friedlich, modern, offen und bunt. So sollte unsere Heimat sein. Lasst uns darüber reden.
Und dann lasst uns gemeinsam daran arbeiten.

