Von Marco Vanek, aus der Print-Ausgabe #129
Zwischen Containern, Schienen und Verladekränen erhebt sich am Ennshafen die TriPlast-Halle – von außen ein nüchterner Industriebau, im Inneren ein Kernstück der oberösterreichischen Kreislaufwirtschaft. Auf 2,5 Kilometern Förderbändern rauschen Folien, Flaschen und Dosen vorbei, Scanner blitzen, Luftdüsen sortieren das bunte Gemisch in 24 Fraktionen; am Ende stehen sortenreine Kunststoffballen, die als Rohstoff in die Industrie zurückgehen. Die neue Sortieranlage TriPlast im Ennshafen verarbeitet jährlich bis zu 100.000 Tonnen Leichtverpackungen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne – rund die Hälfte der österreichischen Sortierkapazität.
„Das Pfandsystem funktioniert und die Menschen machen mit“, sagt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder, während er auf die laufenden Bänder blickt. Für ihn ist TriPlast mehr als eine Anlage: ein sichtbarer Beleg dafür, dass aus Abfall eine Ressource werden kann – wenn Sammelsysteme, Technik und Bevölkerung zusammenspielen.
Hohe Akzeptanz beim Sammeln
Seit 1. Jänner 2025 landen in Oberösterreich Kunststoff- und Metallverpackungen gemeinsam im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne. 36.000 Tonnen wurden im ersten Jahr gesammelt, zwei Prozent mehr als zuvor. Knapp 460.000 Haushalte sind bereits an die Ab-Haus-Sammlung angeschlossen, und laut IMAS-Umfrage finden 88 Prozent der Oberösterreicher:innen das System „sehr gut“ oder „gut“. „Obwohl es Änderungen im Sammelsystem gab, sind die Oberösterreicher:innen beim Abfalltrennen hoch engagiert“, hält Kaineder fest.
Ein Jahr Flaschen- und Dosenpfand
Parallel dazu hat das Einwegpfand für Kunststoffflaschen und Dosen den Alltag verändert. 1,4 Milliarden Pfandgebinde wurden im ersten Jahr österreichweit zurückgegeben, 197 Millionen davon in Oberösterreich – eine Sammelquote von 81,5 Prozent. An den Rückgabeautomaten zeigt sich, was Kaineder meint, wenn er sagt: „Die Rückgabequoten steigen und das ist ein echter Gewinn für unsere Umwelt und ein kräftiger Schub für die Kreislaufwirtschaft.“ Sortenreine, saubere Gebinde bilden die Basis für „Flasche-zu-Flasche“- und „Dose-zu-Dose“-Recycling.
Noch nicht alle Recyclingquoten erfüllt
TriPlast ist der technische Gegenpart zu diesem Verhalten: ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt haben rund 65 Millionen Euro in den Standort investiert, 70 Green Jobs geschaffen. Die trimodale Anbindung – per Lkw, Bahn und Schiff – und eine nachhaltige Energieversorgung sollen dafür sorgen, dass die aufbereiteten Sekundärrohstoffe möglichst emissionsarm bereitgestellt werden. Ein zusätzliches Werk um 35 Millionen Euro ist bereits in Planung, das das Kunststoffrecycling „auf ein neues Level heben“ soll.
Ganz ungetrübt fällt die Bilanz aus Sicht des Landesrats dennoch nicht aus. „Bei Papier und Glas erfüllt Österreich die europäischen Recyclingquoten vorbildlich. Bei Kunststoffen haben wir noch Luft nach oben“, sagt Kaineder. Er kritisiert, dass gemeldete Recyclingquoten mancher EU-Staaten „in der Praxis nicht realistisch“ seien und zu wenig geprüft würden, und verweist zugleich auf wachsende Verpackungsmengen. Für ihn ist klar: „Es ist unerlässlich, Wertstoffe im Kreislauf zu halten und stoffliches Recycling zu forcieren.“
Foto: ARA Altstoff Recycling Austria AG/APA-Fotoservice/Schneeberger Foto: Markus Schneeberger
