Kann man einen Politiker oder eine Politikerin einfach anrufen? Und hebt jemand dann tatsächlich ab? Eine Rückschau auf Stefan Kaineders ungewöhnliche Kampagne.
Autor: Christoph Humitsch, aus der Print-Ausgabe #131
Genau diese Frage haben sich in den vergangenen Wochen tausende Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher gestellt. Mehr als 600-mal wurde daraus ein echtes Gespräch. Aus einer ungewöhnlichen Idee wurde eine Kampagne, die weit über Plakate und Radiospots hinaus Wirkung entfaltet hat.
Kein Callcenter
Drei Wochen lang stand auf Plakaten und in Radiospots nur eine Botschaft: „Da Stefan. Da für dich. Ruf mich an.“ Dahinter steckte kein Callcenter, keine KI, keine Vorzimmernummer und kein Auswahlmenü – sondern Stefan Kaineder persönlich.
Genau darin liegt die besondere Qualität der Aktion: Politik lebt von Vertrauen. Wir wollten nicht nur über Nähe reden, sondern sie erlebbar machen. Die Menschen sollten selbst erfahren, dass da jemand zuhört. Genau das ist passiert.
Die Themen waren so vielfältig wie Oberösterreich selbst. Von Energie und Bodenverbrauch über Pflege und Gesundheit bis hin zu Nachbarschaftskonflikten, persönlichen Sorgen oder einfach der Neugier, ob tatsächlich jemand abhebt. Genau das wurde für viele zur eigentlichen Überraschung.
„Viele wollten zuerst gar kein politisches Anliegen loswerden. Sie wollten einfach ausprobieren, ob die Nummer wirklich funktioniert. Dass ich tatsächlich abgehoben habe, war für viele schon die eigentliche Überraschung und Sensation“, erzählt Stefan
Kaineder.
Geschichten über die Telefongespräche
Besonders beeindruckend waren die Begegnungen, die weit über das Telefonat hinauswirkten. Ein Landwirtschaftsschüler diskutierte mit Stefan über Bodenversiegelung, später sprach die ganze Schule über das Gespräch. Mitarbeitende eines Unternehmens riefen gemeinsam aus der Mittagspause an und erzählten die Geschichte anschließend im gesamten Betrieb weiter. Immer wieder zeigte sich: Nicht nur die Gespräche selbst wirkten, sondern auch die Geschichten
darüber.
Natürlich waren nicht alle Telefonate einfach. Manche Gespräche waren emotional, manche herausfordernd, manche sehr persönlich. Gerade das machte aber deutlich, wie groß das Bedürfnis vieler Menschen nach einem direkten Draht zur Politik ist.
Auch Wochen nach dem offiziellen Ende der Kampagne klingelt das Telefon täglich weiter. Viele Menschen haben sich die Nummer gespeichert oder notiert. Deshalb bleibt sie auch künftig offen.
Denn eines hat „Da Stefan. Da für dich.“ eindrucksvoll gezeigt: Politik beginnt oft nicht mit einer großen Rede, sondern mit einem einfachen „Hallo, da ist der Stefan.“
