9. Oktober 2026

Dieser Ohrwurm hat eine eigene Telefonnummer

Autor: Christoph Humitsch, aus der Print-Ausgabe #132

 

„Hallo, då is wieder da Stefan …“

Wer in den vergangenen Wochen in Oberösterreich Radio gehört hat, ist an dieser Stimme kaum vorbeigekommen. Und ja: Das ist tatsächlich Stefan, der da singt.

Kein KI-Trick. Kein Stimm-Double. Kein Playback. Sondern Stefan selbst, eingesungen im Tonstudio. Zwei Wochen lang lief sein „Da für dich“-Jingle auf vier großen Privatradios in Oberösterreich. Online gab es zusätzlich die Langversion und mit „Mix my Jingle“ sogar die Einladung, aus dem Song eine ganz eigene Version zu machen.

Über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über den Grund für den Song weniger.

 

„Es geht nicht darum, dass ich singe. Es geht darum, dass ich abhebe.“

Dieser Satz bringt die Idee hinter der zweiten Welle von „Da Stefan – da für dich“ ziemlich genau auf den Punkt. Denn eigentlich begann die Geschichte Monate zuvor, mit einer Telefonnummer.

Stefan Kaineder veröffentlichte seine persönliche Handynummer und sagte den Menschen in Oberösterreich: Ruf mich an. Nicht im Büro. Nicht im Callcenter. Nicht bei einem Bot. Sondern direkt bei mir. Was als ungewöhnliches Experiment begann, wurde zu einem dauerhaften Gesprächsangebot. Die Nummer blieb auch nach der ersten Kampagne eingeschaltet. Und die Menschen riefen weiter an. Bis zum Start der zweiten Welle waren es bereits mehr als 1.000 persönliche Gespräche. Manche dauerten wenige Minuten, andere deutlich länger. Es ging um Sorgen und Ärger, um Familien, Betriebe und Landwirtschaft, um Klima, Energie und die Zukunft. Um konkrete Probleme. Und manchmal einfach darum, jemanden zu haben, der zuhört.

 

„Das Wertvollste, was mir Menschen schenken können, ist ihre Zeit und ihr Vertrauen. Wenn mir jemand erzählt, was ihn oder sie wirklich beschäftigt, dann ist das für mich keine Selbstver­ständlichkeit.“

 

Mit der zweiten Kampagnenwelle sind viele neue Kontakte und persönliche Momente dazugekommen. Und ein Telefonat endet dabei nicht automatisch mit dem Auflegen. Anliegen werden weitergegeben, Gespräche fortgesetzt. Stefan trifft Menschen persönlich oder schaut sich Situationen vor Ort an. Nicht für jedes Problem gibt es eine schnelle Lösung. Aber jedes Anliegen verdient es, ernst genommen zu werden.

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Gesprächen: Viele Menschen wollen Politik nicht ständig erklärt bekommen. Sie wollen gefragt und gehört werden.

 

Was beschäftigt dich? Was läuft gut? Was macht dir Sorgen? Was sollte sich ändern?

Der Radio-Jingle sollte deshalb vor allem eines: Aufmerksamkeit schaffen und an ein Angebot erinnern, das längst besteht.

 

Du kannst Stefan tatsächlich anrufen.

Und dafür durfte es diesmal ungewöhnlicher sein. Selbst ins Tonstudio gehen. Singen. Die eigene Komfortzone verlassen. Riskieren, dass manche schmunzeln und vielleicht auch, dass nicht jedem der Song gefällt. Gerade dadurch ist etwas entstanden, das auffällt und in den sozialen Medien ebenso wie in persönlichen Gesprächen für viele Reaktionen gesorgt hat.

Denn Politik findet für Stefan nicht nur im Büro oder bei Pressekonferenzen statt. Sie findet im Wirtshaus statt. Beim Wandern. Auf einem Bauernhof. In einem Betrieb. Auf der Straße. Oder auch einmal beim Kellnern auf einem Musikfest. Überall dort, wo Menschen leben, arbeiten, diskutieren, lachen und sich Sorgen machen. Diese Idee zieht sich durch „Da Stefan“: rausgehen, fragen, zuhören, mitmachen. Nicht vor den Menschen stehen, sondern neben ihnen.

Und Zuhören heißt auch nicht, anschließend einfach „Danke fürs Gespräch“ zu sagen und weiterzumachen wie vorher. Gespräche sollen etwas auslösen. Manchmal kann unmittelbar geholfen werden. Manchmal braucht es politische Veränderung. Und manchmal bleibt aus einem Gespräch vor allem eine neue Perspektive.

„Ich kann nicht versprechen, jedes Problem zu lösen. Aber ich kann versprechen, jedes Anliegen ernst zu nehmen.“

Vielleicht ist das deshalb auch das schönste Ergebnis dieser Wochen: nicht eine Klickzahl, nicht eine Reichweite und nicht ein Radiospot, sondern die vielen Menschen, die sich die Zeit genommen haben anzurufen. Die erzählt haben, was sie beschäftigt. Die widersprochen haben. Die Ideen eingebracht haben. Die von Problemen erzählt haben – aber genauso von Dingen, die ihnen Hoffnung machen.

 

Dafür sagt Stefan Danke.

 

Denn ein paar Minuten Zeit und ein offenes Gespräch mögen nach wenig klingen. Für jemanden, der Politik gestalten will, können sie enorm viel wert sein. Und deshalb endet „Da für dich“ auch nicht mit dem letzten Radiospot.

Das Telefon bleibt an.

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