9. Oktober 2026
Autor: Benjamin Wimmer, aus der Print-Ausgabe #132

 

 

Wer im Herbst oder Winter durch Ober­österreich fährt, kennt das Bild: wenig Sonne, kurze Tage, aber oft kräftiger Wind. Was in diesem Bild größtenteils fehlt, sind Windräder. Und das, obwohl das beschriebene Szenario die Stärken der Windenergie gut aufzeigt. Genau in der Jahreszeit, in der die Sonne weniger Strom liefert, wäre der Wind zur Stelle. Doch in Oberösterreich ist die Windenergie nicht so beliebt, so zumindest das Bild der ÖVP-FPÖ-Regierung.

 

Doch wie denken eigentlich die Leute selbst über Windkraft?

Genau das hat die Spectra-Marktforschung im August 2026 im Auftrag der Grünen Oberösterreich erhoben. Das Ergebnis fällt deutlich aus: 81 Prozent, also vier von fünf Befragten, sagen, Windkraft sei ein wichtiger Bestandteil des Energiemixes.

Besonders spannend wird es beim Blick auf die Parteipräferenzen. Denn auch unter Wähler:innen von SPÖ und ÖVP liegt die Zustimmung rund um die 90 Prozent-Marke. Selbst unter FPÖ-Wähler:innen sagen 64 Prozent: „Windkraft ist wichtig.“ Auch regional gibt es überall klare Mehrheiten, vom Mühlviertel bis ins Innviertel.

Landessprecher und Klimalandesrat Stefan Kaineder sieht darin ein starkes Signal aus dem ganzen Land: „Diese Zahlen sind aus mehreren Gründen beeindruckend. Einerseits ist die große Zustimmung hocherfreulich und gibt uns enormen Rückenwind. Auf der anderen Seite wird die Frage immer größer, wie ÖVP und FPÖ weiterhin blockieren können, was das Land braucht und die Leute wollen.“

 

Energiezukunft für Oberösterreich

Nicht nur die Zustimmung zur Windkraft ist groß, auch der Bedarf an sauberer und verlässlicher Energie steigt. Gerade in einem Industrieland wie Oberösterreich: Der Lichtbogen-Hochofen der voestalpine für sauberen Stahl und das entstehende Google-Rechenzentrum in Kronstorf sind zwei Beispiele dafür.

Trotzdem dreht sich in Oberösterreich beim Windkraft-Ausbau seit Jahren wenig. Von 1.447 Windkraftanlagen in ganz Österreich stehen gerade einmal 31 in Oberösterreich. 2014 kamen fünf neue Windräder dazu, 2016 zwei, 2022 eines. Seit ÖVP-Landesrat Achleitner 2018 das Energieressort übernommen hat, wurde im Land überhaupt nur ein einziges Windrad eröffnet.

Dafür rechnet Achleitner gerne vor, dass Oberösterreich gemeinsam mit Niederösterreich Spitzenreiter in der Erneuerbaren-Erzeugung ist. Damit dürfte man sich zufriedengeben. Denn gleichzeitig sollen Ausschlusszonen den Bau neuer Windkraftanlagen in weiten Teilen Oberösterreichs verhindern. Und das bei perspektivisch steigendem Strombedarf.

Für Stefan Kaineder geht es nicht um einzelne Windräder, sondern um die Frage, wie Oberösterreich künftig seine Haushalte und seine Industrie mit Energie versorgt. Sein Appell ist entsprechend deutlich: „Oberösterreich will und braucht Windkraft. Die Haushalte warten darauf, und vor allem auch die Industrie. Weg mit den Hürden, weg mit der Blockade.“

„Hält man sich die große Windkraft-Zustimmung der Menschen vor Augen, gibt es jetzt klare Prioritäten: Ausschlusszonen streichen, Beschleunigungsgebiete rechtssicher umsetzen und Projekte außerhalb davon fair im Einzelfall prüfen. Das langfristige Ziel: 200 neue Windräder bis 2035“, zeichnet Kaineder den Weg in eine gute Energiezukunft Oberösterreichs.

 

 

 

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