9. Oktober 2026

Sag beim Abschied leise Servus…

Herta, Leonore und Lucy besteigen den Tiertransporter. Es ist ein trauriger Moment für die Rammers vom Aistbergthal in Ried in der Riedmark, als sie ihren Milchkühen zum letzten Mal über das Fell streichen.
Autorin: Nicole Keplinger-Sitz, aus der Print-Ausgabe #132

Vor zwei Jahren war ich zum ersten Mal bei den Biolandwirten aus Leidenschaft zu Gast. Apropos „Leiden“, ja die Landwirtschaft leidet an einem massiven Niederschlagsmangel und stöhnt unter der Hitze. Wiesen verdorren und liefern zu wenig Futter für die hungrigen Milchkühe. Nun mussten die Rammers die ersten drei Kühe verkaufen, weil sich der Ankauf von biologischem Futter für die Tiere wirtschaftlich nicht rechnen würde, insofern überhaupt entsprechendes Futter verfügbar wäre.

 

Dürre und Hitze. Wasser als kostbares Gut.

Der Klimawandel macht vielen Bäuer:innen zu schaffen. Eine Anpassung an die fortschreitende Trockenheit ist im Grünland kaum möglich. Ohne ausreichende Niederschläge vertrocknet das Gras. „In den letzten zehn Jahren waren vier Jahre durch Trockenheit und Futtermangel geprägt. Unsere heurige Futterernte beträgt nur rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahr“, so Fanz Rammer nachdenklich.

Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft sind zudem mit zusätzlichen Kosten verbunden und nicht für alle Kulturen und Regionen geeignet. Wasser ist schließlich eine begrenzte Ressource und muss deshalb auch pfleglich behandelt werden.

 

Der Wert der landwirtschaftlichen Produkte

Die Landwirtschaft als Vollerwerbsbauer oder -bäuerin zu betreiben, wird immer schwieriger. Die Landwirt:innen bekommen für ihre hochwertigen Produkte oft nur bescheidene Preise. Die Konkurrenz am Weltmarkt ist groß und für kleine Bäuer:innen sind Preissprünge nach unten existenzbedrohend. Ein gutes Beispiel dafür ist der Brotpreis: lediglich 4% am Endpreis des Brotes landet am Bauernhof. Ein wirtschaftliches Überleben der Betriebe ist letztlich nur möglich, wenn auch höhere Preise für die Produkte bezahlt werden. Die bürokratischen Belastungen rauben den Bäuer:innen zusätzlich kostbare Zeit und Energie, und sie verhindern auch ein rasches Reagieren auf die Wetterextreme.

 

Versorgungssicherheit in Österreich oder leere Regale

Bereits jetzt kann sich Österreich mit Geflügelprodukten und Eiern nicht selbst versorgen. Häufig landen billigeres Geflügel und Eier aus dem Ausland auf unseren Tischen und in unseren Mägen. Auch bei Obst und Gemüse sind wir nicht selbstversorgungsfähig. Gewisse Gemüsesorten, wie Karotten, leiden unter der großen Hitze und liefern trotz Bewässerung keine Erträge mehr.  Derzeit reden wir von Engpässen, künftig drohen aber leere Regale.

 

Klimaschutz als Forderung

Für Silvia und Franz ist deshalb konsequenter Klimaschutz die einzige Alternative. Eine klimagerechte und schonende Lebensweise durch weniger CO2-Verbrauch, Förderung von alternativen Energiequellen, weniger Versiegelung und bewusster Konsum sind nur einige der wichtigen Forderungen.

 

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